Satzung / Thema: Nutzungsentgelt (NE)

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Dieses Thema enthält 5 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Faustkeil vor 1 Monat, 1 Woche.

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  • #1441

    Harald
    Teilnehmer

    Satzung / Thema Nutzungsentgelt (NE)

    Das NE ist in unserer WG nicht die einzige aber die mit Abstand größte und damit wichtigste Einnahmequelle.
    Ebenso ist demgegenüber das NE als erheblicher Teil der Wohnkosten für jedes (wohnende) Genossenschaftmitglied in aller Regel auch gleichzeitig der größte fixe Ausgabeposten eines normalen Haushalts.
    Und – das NE ist eines der absoluten Hauptkriterien bei der Wohnungssuche sowie der gesamten Außendarstellung eines Wohnungsanbieters und dessen strategischer Ausrichtung.

    Bereits diese wenigen Fakten zur herausragenden Bedeutung des NE zeigen, dass es sich bei diesem Wirtschaftsparameter nicht um eine Angelegenheit des Tagesgeschäfts handelt und es nicht die alleinge Sache des Vorstands sein kann, sondern im Gegenteil – dem Mitsprache- bzw. Entscheidungsrecht des obersten Willenssouverän unserer WG, also der Vertreterversammlung, zuzuordnen ist.

    Dabei sind sowohl die Findung der absoluten Höhe, deren Änderung als auch die Regeln zur allgemeinen Gestaltung des NE gemeint. In diesem Zusammenhang sollte die Analyse und gegebenfalls damit die Verschlankung der Kostenstruktur der WG auf den Prüfstand.

    Ausgehend vom genossenschaftlichen Grundsatz muß das NE so niedrig wie möglich und dabei so bemesssen sein, dass die Kosten in der Hauptsache der Absicherung von langfristig guten Wohnraum und der insgesamt sparsamen Betriebswirtschaft entsprechen. Eine Orientierung am Mietspiegel erübrigt sich von selbst und ist ausdrücklich auszuschließen.

    Innerhalb der NE-Regeln sollte eine transparente Preisdarstellung erfolgen. Zum Beispiel auch die bisherige Praxis, bei Neuvermietung ein möglichst hohes NE zu erzielen, ist nicht nur „unfair“ im genossenschaftlichem Sinne, sondern führt langfristig zu einer allgemeinen Kostensteigerung für alle Wohnungsnutzer wegen des „Anpassungsdrucks“ und gehört somit auf den Prüfstand.

    Neben dem NE machen die mit ihm verbundenen Nebenkosten einen ebenso beträchtlichen Teil der Wohnkosten aus. Auch hier gilt analog dem NE, diese so niedrig wie möglich zu halten und alle Möglichkeiten der Minimierung zu finden und zu nutzen. Das auf die Nebenkosten bezogene aktuelle Geschäftsmodell der Rautal GmbH gehört somit ebenfalls auf den Prüfstand.

    Liebe Vertreter und interessierte Genossenschaftler unser WG, was sagt ihr zu den oben genannten Punkten?
    Bitte beteiligt euch an der Diskussion und schreibt in diesem Forum eure Meinung bzw. weitere Ideen zu diesem wichtigen Thema.

  • #1465

    GustaviP
    Teilnehmer

    Dem Beitrag von Harald stimme ich voll zu. Die WG-Leitung sollte in Zusammenarbeit mit den Vertretern Regeln für die Errechnung des Nutzensentgeldes aufstellen, und sie sollte für jede Wohnung oder zumindest für jedes Wohngebiet/Ausstattungsniveau eine konkrete Zusammensetzung der Kostenbestandteile ausweisen. Diese sollte sie den Nutzern der Wohnungen zur Verfügung stellen. Da wir eine Wohnungsgenossenschaft und keine Kapitalgesellschaft sind, sind Abschreibungen, Kapitalerhöhung, -erhaltung, Gewinn etc. keine relevanten Kostenbestandteile. Relevant für die Kaltmiete wären m.E. Rückstellungen für Reparaturen, und Verbesserungen der Wohnqualität, Umlage der Verwaltungskosten, Rückzahlung von Krediten usw. Einen konkreten Kostenüberblick sollte die Verwaltung der WG haben. Der Mietspiegel wurde vom Gesetzgeber zur Begrenzung von Spekulationsgewinnen und zur allgemeinen Begrenzung der Gewinnspanne der Vermieter eingeführt. In Bezug auf die WG sollte er lediglich ein Maßstab für die Effektivität der WG-Verwaltung sein. D.h. je größer die Differenz des Nutzensentgeldes vergleichbarer Wohnungen zum Mietspiegel ist, desto effektiver arbeitet die WG-Leitung. Zur Zeit bewegt sich die WG innerhalb des Rahmens des Mietspiegels, zum Teil aber auch darüber, ich finde dieses für die Arbeit einer WG gar nicht gut.

    Wie denken andere WG-Mitglieder/Vertreter über diese Fragen? Wichtig wären m.E. die Meinungen zu den Themen
    – Ausweis der Kostenbestandteile der Nutzungsentgelde für die Wohnungen gegenüber den Nutzern.
    – Mitbestimmung der Mitglieder/Vertreter bei den Regeln für die Umlage von Kostenbestandteilen
    – Prozentuale Begrenzung des Nutzensentgeldes in Bezug auf den Mietspiegels, von sagen wir 80%. (Der Grundsatz der Ökonomie der Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben, muß dabei natürlich gewährleistet werden)

    Überlegen sollten wir auch, ob wir einige Punkte hierzu im Statut verankern.

  • #1473

    Horsti
    Teilnehmer

    Ich habe gerade zu einem anderen Thema etwas geschrieben. Aber auch bei diesem kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Auf der einen Seite werden Aufzüge an allen Aufgängen gefordert, gleichzeitig niedrige soziale Mieten. Wie sollen die ganzen Wünsche bezahlt werden? Für mich wäre die Diskussion interessant: Was ist für Euch sozial? Wo stehen wir als Genossenschaft im Vergleich zu anderen Genossenschaften? Was kostet das Wohnen in Zukunft? Brauchen wir auch „einfache“ Wohnungen, für die Mitgieder, die sich mehr nicht leisten können. Aber hierauf habt Ihr auch keine Antworten. Da schimpft es sich einfacher auf den Vorstand. Dagegen sein ist halt modern. Schönen 3.Advent. Horst

  • #1474

    GustaviP
    Teilnehmer

    Die Graphik auf Seite 153 der WG-Chronik zeigt, daß 38% des Nutzensentgeldes für die Rückzahlung von Krediten und für Zinsen aufgebracht werden müssen. Bei 400 € Kaltmiete zahlt jeder Wohnungsnutzer monatlich also 152 € für den Schuldendienst der WG CZ. (Was passiert, wenn die Sparer ihr Geld zurückfordern bzw, nicht wieder anlegen, mag ich mir gar nicht ausdenken!) War es wirklich von den Genossenschaftlern gewünscht, daß sie monatlich diese Summe ausgeben müssen damit Neubauprojekte wie der Sonnenhof und Nord II, III oder der Kauf des Ricarda Huch Hauses verwirklicht wurden? Diese Kredite sind aufgebracht und müssen zweifelsohne bedient werden. Die Investitionen in solche oder ähnliche Projekte gehen aber weiter, wünschen das die Mitglieder wirklich? Sollte diese Politik nicht gestoppt werden? Wie denkt ihr darüber?

  • #1476

    mismi
    Teilnehmer

    Hallo Horsti,
    zu deinem Kommentar vom 11.12.2016: steht die Forderung nach sozialgerechtem und modernen Wohnraum (mit verbreiterten Balkonen, Fahrstühlen etc.) zu einem vertretbaren Nutzungsentgelt im Widerspruch – ich denke nein, zumal es WG’s gibt, die das verwirklichen, unser Problem ist, das ein Großteil unseres Nutzungsentgeltes vom Vorstand satzungswidrig in Luxusbauten zu Lasten der Investitionen in den Altbaubestand verwendet wurde. Da das Kind nun einmal in den Brunnen gefallen ist, sollten wir Vertreter mehr Mitbestimmung bei der Planung und Tätigung weiterer Investitionen und bei der Gestaltung der Nutzungsentgelte einfordern. Ich hoffe, dass mehr Mitbestimmung der Vertreter auch ihr Anliegen ist.

     

  • #1526

    Faustkeil
    Teilnehmer

    Vorstand und Aufsichtsrat entwickeln die Genossenschaft zu einer Holding GmbH & Co.KG, in der eines Tages die ehemaligen Eigentümer (Genossenschaftler) zu Kommanditisten geworden sind, die ihr Geld in einer Firma angelegt haben, bis auf den Anspruch auf eine symbolische, jährliche Rendite kein Mitspracherecht mehr haben. Die 2% Rendite werden zudem aus überhöhten Nutzungsentgelten gespeist. Viel mehr geht in die hohen Bankzinsen für Luxus-Investitionen, die sich keine andere Genossenschaft leistet. Wer ist also entscheidender Eigntümer? Wer es wegen der Intransparenz de facto schon heute ist: Vorstand und Aufsichtsrat!
    Sind sie eigentlich selber Genossenschaftler? Oder wurden sie von der WGCZ nur eingestellt, weil sie zur Wende tolle Referenzen aus den alten Bundesländern aufweisen konnten und vorgefertigte Satzungen? Das würde erklären, dass die Satzungen viel Spiellraum lassen weit uber Genossenschaftler-Interessen hinaus. Das Nutzungsentgelt ist also nur die Spitze eines Eisberges. Die jüngsten Beiträge stehen hier schon 10 Monate herum. Niemanden interessieren sie.
    Wie die britische Jugend die Abstimmung zum Brexit! Dämmert was?

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